Bericht zum Vereinsvertreter-Workshop des Deutschen Fußball-Bundes in Kassel

Zur Vorbereitung des 3. DFB-Amateurfußballkongresses vom 22. – 24. Februar 2019 hat der Deutsche Fußball-Bund am vergangenen Wochenende Vereinsvertreter der Landesverbände aus Bayern, Westfalen, Niedersachsen, Thüringen und Hessen zu einem Workshop nach Kassel eingeladen. Als einer der fünf eingeladenen Vereinsvertreter aus Hessen durfte ich dort die Interessen und Wünsche unseres Vereins mit in die Arbeit des DFB einfließen lassen. Gemeinsam mit DFB-Direktor Willi Hink, weiteren DFB-Vertretern und den Masterplan-Koordinatoren aller Landesverbände wurde intensiv darüber debattiert, welche Aufgaben auf den Amateurfußball in Deutschland aktuell und in den kommenden Jahren zukommen werden und welche Maßnahmen und Unterstützungsangebote von Verbandsseite zur erfolgreichen Bewältigung erforderlich sind. Dabei wurden verschiedene Themen und Kernfragen methodisch vorbereitet, die auf dem Amateurfußballkongress schwerpunktmäßig bearbeitet werden sollen, um dort Lösungen und Handlungsempfehlungen zur Stabilisierung und Stärkung der Basis erarbeiten zu können.

 

Die Einladung des DFB beinhaltete neben dem sechsstündigen Workshop am Samstag auch ein gemeinsames Essen am Vorabend, bei dem Vereins- und Verbandsvertreter im geselligen Austausch die Gelegenheit hatten, sich gegenseitig kennenzulernen und durch einen Blick über die Landesgrenzen hinweg zu schauen, welche Sorgen und Probleme, aber auch welche Begeisterung und Freude andere Vereine an der Basis ähnlich wie uns Woche für Woche umtreiben. Allen gemeinsam war sicherlich ganz allgemein die Liebe zum Fußball und die Begeisterung für das Ehrenamt im eigenen Ort, inhaltlich aber auch die Erhaltung und Weiterentwicklung des Jugendfußballs mit Blick auf die vielerorts rückläufigen Kinderzahlen oder das Abfischen der Talente durch Jugendfördervereine oder Nachwuchsleistungszentren und – was mich persönlich überrascht und zugleich erfreut hat – die Förderung des Frauen- und Mädchenfußballs, der in Person von Olympiasiegerin und Weltmeisterin Annike Krahn, die selbst als Masterplan-Koordinatorin im Landesverband Westfalen tätig ist, prominent vertreten war. Während im ländlichen Raum z.B. die Gewinnung von Jugendbetreuern und Schiedsrichtern ein gemeinsames Anliegen war, wurden in Ballungsgebieten eher infrastrukturelle Probleme wie Platzbelegungen angesprochen. Angesichts der angeregten Debatten konnten viele Teilnehmer die Übernachtung im Tagungshotel nur recht kurz auskosten.

 

Dennoch wurden nach einem stärkenden und reichhaltigen Frühstück die verschiedenen Begehrlichkeiten auch am nächsten Morgen mit Nachdruck in den Diskussionsrunden vertreten und fanden gerade bei den Masterplan-Koordinatoren breite Unterstützung. Diese waren zugleich bemüht, auf die vielen Verbandsangebote für Amateurvereine hinzuweisen, die von vielen Vereinen bisher nur sehr spärlich in Anspruch genommen würden. Immerhin beinhalte der Masterplan des DFB über 40 Maßnahmen, die ganz speziell für Vereine an der Basis entwickelt worden seien, welche vielen Vertretern offenbar aber nicht bekannt wären. Neben dem fehlenden Wissen um die Maßnahmen selbst gaben viele Vereine an, oft auch gar nicht richtig zu wissen, welche Maßnahme für den eigenen Verein überhaupt sinnvoll sein könnte. Auch dahingehend gab es hilfreiche Hinweise.

 

Impuls für die erste intensive und methodisch aufbereitete Diskussion war die Frage, wie sich Amateurvereine aufstellen müssten, um die Chance, die ihnen die EM 2024 in Deutschland bieten wird, sinnvoll nutzen zu können. Während die Vereinsvertreter durch den Austausch viele Anregungen für konkrete, individuelle Maßnahmen erhielten, waren die weiteren Diskussionsrunden darauf ausgelegt, zwei grundlegende, strukturelle Maßnahmen zusammenzutragen und dem DFB für den Kongress mit auf den Weg zu geben.

 

Bei einer einstündigen Mittagspause gab es daraufhin erneut Gelegenheit, sich zu stärken und sich offen über das bisher Gehörte auszutauschen. Besonderen Eindruck hinterließ beispielsweise der Auswertungsbericht von Frau Svenja Feller von der Deutschen Sporthochschule in Köln, die anhand einer repräsentativen Vereinsumfrage typische Anliegen und Eigenheiten sowie daraus abgeleitete Denkanstöße für Fußballvereine im Vergleich zu anderen Sportvereinen darstellte. Interessant war beispielsweise, dass sich Vereinsvertreter von Fußballvereinen grundsätzlich kritischer zur Situation ihres Vereins äußerten, als Vertreter anderer Vereine - selbst, wenn die Faktenlage dazu keinen Anlass gebe. Aber auch, dass Fußballvereine im Bereich Integration sehr viel mehr Zulauf erleben, als Vereine für andere Sportarten. Punkte, die wir für unseren Verein sicher auch so unterschreiben können, mit denen man aber auch bewusst umgehen sollte, wenn man überlegt, wo Chancen und Perspektiven für die eigene Vereinsentwicklung liegen könnten.

 

Die zweite Arbeitsphase thematisierte weitere Themen für den Amateurfußballkongress wie z.B. den Umgang mit Themen wie Digitalisierung oder den politischen Rahmenbedingungen für Vereine und wie sich die Verbände dort für Vereine stark machen können. Hier wurden die Vereinsvertreter um Hinweise gebeten, ob die vorgeschlagenen Themen-Überschriften und die dazugehörigen Impulsfragen verständlich formuliert seien und zu einer umfassenden Diskussion einladen würden. Selbstverständlich ließen es sich viele Vereinsvertreter auch hier nicht nehmen, dabei auch inhaltliche Statements zu den Themen abzugeben.

 

Alles in allem habe ich eine Veranstaltung erlebt, die sowohl den Austausch zwischen Vereinen als auch zwischen Vereinen und Verbänden vorangetrieben hat und bei der deutlich wurde, dass dem DFB ernsthaft an einer Entwicklung der Basis gelegen ist. Für unseren Verein habe ich einige wertvolle Impulse erhalten, die ich in den kommenden Vorstandssitzungen unbedingt mit einbringen möchte. Inwiefern der Amateurfußballkongress im Februar 2019 greifbare Neuerungen für die Vereine zur Folge haben wird, darf gespannt beobachtet werden.

 

 

 

 

 

Ludwig Sauer

 

Sportlicher Leiter

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